Cosmic Wedding

Sabin Bălașa

1982

Das Weltennetz der kosmischen Hochzeit

Als das Wandgemälde Cosmic Wedding (Nunta Cosmică) 1982 im Rahmen des monumentalen Freskenzyklus in der Aula Magna der Universitatea Alexandru Ioan Cuza in Iași vollendet wurde, schuf Sabin Bălașa eine vielgliedrige Bildarchitektur von archaischer Wucht. Während der rumänische Kulturraum der 1980er-Jahre von ideologischer Verengung geprägt war, entwarf der Künstler eine vielschichtige Kosmogonie in Form organischer, verästelter Baum- und Felsstrukturen.

Das Bildgefüge gliedert sich in ein Geflecht aus Höhlungen, Wurzelsträngen und Ätherkammern, in denen nackte Körper, Tiere und Himmelskörper koexistieren. Dieses Motiv greift direkt das Narrativ der altrumänischen Volksballade Miorița auf, in der das Sterben des Hirten nicht als Ende, sondern als mystische Vermählung mit der Natur und den Gestirnen verklärten Ausdruck findet.

Das strahlende Gestirnpaar

Am oberen Bildrand schwebt zentral eine sonnenhafte männliche Gestalt mit weit ausgebreiteten Armen im goldenen Aureolenlicht, flankiert von einer feingliedrigen weiblichen Figur, die vor der Sichel des Mondes durch das Blau zieht. Die kompositionelle Scheidung in ein solares und ein lunares Prinzip verweist auf die antike Hierogamie, die heilige Hochzeit von Himmel und Erde, wie sie in den spätantiken Mythen eines Ovid oder in den hermetischenDie Hermetik umreißt einen geistesgeschichtlichen Komplex, der auf den Legenden um Hermes Trismegistos basiert. Sie umfasst alchemistische, astrologische und magische Lehren. Kern ist die Korrespondenz zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos („Wie oben, so auch unten“), die den Menschen als Teil einer göttlichen Weltordnung begreift. Schriften verankert liegt. Sabin Bălașa zeichnet diese Lichtgestalten nicht als erhabene Herrscher, sondern als bewegte, schwerelose Wesen, deren strahlendes Licht die umgebenden Gesteins- und Baumhöhlen in kaltes, leuchtendes Kobaltblau taucht.

Die Reigen in den Lebenskammern

Die untere und mittlere Bildebene teilt sich in versetzte Nischen und Gewölbe, die von tanzenden, musizierenden und einander umarmenden Liebespaaren bevölkert werden. In einer zentralen Ellipse stehen sich Mann und Frau im Schutz einer kaskadenartigen Aushöhlung neigend gegenüber, während in benachbarten Kammern Flötenspieler und schwebende Frauengestalten den Lebensrhythmus begleiten. Diese Szenerei entspricht dem Zustand der Unio Mystica, jener mystischen Vereinigung, bei der die Grenzen des Individuums in einem übergeordneten Naturganzen aufgehoben werden. Die plastisch herausgearbeitete Muskelanatomie der Gestalten erzeugt im Zusammenspiel mit den weichen Konturen einen Eindruck permanenter Metamorphose.

Die Tiersymbolik des Erdengrundes

In den Rändern der Komposition verankern sich animalische Motive: Steinböcke erklimmen schroffe Felsformationen am oberen linken Rand, Wölfe oder Widderköpfe blicken im unteren Teil aus dem Höhlendunkel hervor, und weiße Schimmel tragen sonnenhaftes Haar durch die Landschaft. Sabin Bălașa verbindet diese Fauna organisch mit den Wurzeln des Weltenbaums und zitiert damit die Mythologie des Yggdrasil oder der orientalischen Lebensbäume. Das Tier erscheint hier nicht als unbewusstes Vieh, sondern als gleichberechtigter Träger der kosmischen Ordnung, der den menschlichen Mikrokosmos fest mit den Urkräften der Erde verdrahtet.

Die Verschmelzung von Materie und Geist

Die verästelten graubraunen Baumstrukturen durchziehen das gesamte Bildfeld wie Adern eines lebendigen Organismus und verbinden Wasserfälle, Vogelreihen und Sternennebel zu einem unauflöslichen Ganzen. Sabin Bălașa erweist sich in dieser vielschichtigen Malerei als Meister einer Neoromantik, die das Mythengut seiner Heimat in eine monumentale, universelle Bildsprache übersetzt. Das Wandgemälde behauptet seinen Platz in der Kunstgeschichte als visuelles Manifest gegen die Entzauberung der Welt, indem es die sichtbare Materie konsequent als Hülle einer geistigen Weltordnung offenbart.

Über den Künstler

Sabin Bălașa

Kosmischer Solitär zwischen Monumentalität und Mythos Als der rumänische Künstler Sabin Bălașa im Juni 1932 in Dobriceni im Kreis Olt geboren wurde, deutete wenig darauf hin, dass er sich zu einer der eigenwilligsten und zugleich prominentesten Fi...

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