Lost Knowledge of the Imagination – Buchcover

Lost Knowledge of the Imagination

2017
Untersuchung über die schöpferische Rolle der Imagination in der Erkenntnisgewinnung.
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Werk und Inhalt

Gegenlicht der inneren Schau

Gary Lachman unternimmt den Versuch, das bildhafte Denken aus der Umklammerung bloßer Phantasie zu lösen und ihm den Rang einer Erkenntnisform zurückzugeben. In der Stille einer gut sortierten Bibliothek begegnet man heute oft einer seltsamen Verkümmerung: Während wir gelernt haben, die Welt zu vermessen, zu wiegen und in kausale Ketten zu legen, ist der Sinn für das Qualitative abhandengekommen. Was Lachman beschreibt, ist die Rückbesinnung auf eine verloren gegangene Sehkraft – das Wissen darum, dass der Mensch ein Mitwisser des Geistes ist.

Das Mundus Imaginalis und die Tradition der Schau

Lachman schöpft aus einem tiefen Brunnen, den bereits Henry Corbin als das Mundus Imaginalis bezeichnete. Corbin, der große Vermittler zwischen persischer MystikMystik bezeichnet das Streben nach einer unmittelbaren, erfahrungsbasierten Einheit mit dem Göttlichen oder dem Absoluten. Anders als der Szientismus erkennt sie die Unzulänglichkeit der bloßen Ratio an und postuliert, dass die tiefste Wahrheit der Wirklichkeit nicht durch Analyse von außen, sondern durch Transformation und Versenkung von innen erschlossen wird. und abendländischer Philosophie, lehrte die Existenz einer Zwischenwelt zwischen reinen Sinneseindrücken und abstrakter Logik. Hier begegnet der Leser einer Imagination, die etwas empfängt. Diese Wahrnehmung wurzelt im NeoplatonismusDie philosophische Strömung des Neuplatonismus versteht die Welt als stufenweisen Ausfluss (Emanation) des höchsten, unendlichen Prinzips, dem „Einen“. Sie formte maßgeblich das metaphysische Denken der Spätantike und bildet eine zentrale Brücke zwischen klassischer Philosophie und esoterischer Weltsicht. eines Plotin und zieht sich über Johann Wolfgang von Goethe, der in seiner Farbenlehre das Auge als sonnenhaft begriff und die Urphänomene hinter der Oberfläche zu lesen suchte, bis hin zu Owen Barfield. Barfield beschrieb mit der ursprünglichen Partizipation einen Zustand, in dem Denken ein unmittelbares Erleben des Wirklichen war.

Hermetik, Entzauberung und die Wiederentdeckung der Intuition

Ein zentraler Fixpunkt in Lachmans Untersuchung ist die Tradition des Corpus Hermeticum, etwa die im Poimandres geschilderte Metamorphose des Bewusstseins beim Aufstieg durch die Sphären. Solche alten Bilder sind für ihn keine Märchen, sondern Karten für die Innenseite der Welt. Im Widerstand gegen den Positivismus sucht Lachman den Dialog mit Rudolf Steiner und Emanuel Swedenborg, dessen Korrespondenzenlehre alles Äußere als Spiegelbild eines Inneren begreift. Ein Baum erweist sich dabei als sichtbarer Ausdruck einer unsichtbaren Lebenskraft.

Lachman zeigt schließlich, dass Esoterikforschung eine seriöse Disziplin ist, die den menschlichen Geist in seiner Ganzheit ernst nimmt. Die Intuition arbeitet als Instrument ebenso präzise wie das Skalpell des Analytikers. Das Imaginative bedeutet keine Flucht vor der Wirklichkeit, sondern deren Erweiterung – ein Kompass für alle, die spüren, dass hinter den nackten Tatsachen noch ein unerschlossenes Land liegt.