Werk und Inhalt
Georg Lomers Beitrag zur esoterischenEsoterik ist der Sammelbegriff für Lehren, die ein „inneres“, verborgenes Wissen vermitteln, das sich nur dem Eingeweihten erschließt. Sie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Mensch, Kosmos und dem Göttlichen. In dieser Bibliothek steht Esoterik für den ganzheitlichen, kontemplativen Zugang zur Wirklichkeit. Praxis
Georg Lomers Werk Dr. Lomers Lehrbriefe zur geheimwissenschaftlichen Selbstschulung, publiziert im Jahr 1920, ist als systematischer Leitfaden für ein autodidaktisches Training angelegt. Lomer, ein Mediziner und Anhänger okkulterOkkultismus ist ein Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die sich mit den „verborgenen“ Kräften der Natur und des Geistes befassen. Er umfasst Traditionen wie Magie, Esoterik und Hermetik, die über das rein rational-materialistische Weltbild hinaus nach einem tieferen, meist intuitiven oder symbolischen Verständnis der Realität streben. Strömungen seiner Zeit, verfolgt das Ziel, theoretisches Wissen über sogenannte Geheimwissenschaften in eine methodische, psychologisch orientierte Schulungspraxis zu überführen.
Das Werk ist in eine Reihe von Lektionen untergliedert, die den Leser schrittweise in Techniken der Konzentration, Willensschulung und Wahrnehmungssteuerung einführen, wobei Lomer stets den Anspruch erhebt, eine Verbindung zwischen naturwissenschaftlicher Empirie und metaphysischen Lehrsätzen zu ziehen.
Methodik der Bewusstseinssteuerung
Der Kern der Lehrbriefe liegt in der Ausbildung einer kontrollierten Aufmerksamkeit. Lomer postuliert, dass das menschliche Bewusstsein durch gezielte Übungen von den gewohnten Assoziationsketten gelöst werden könne. Die von ihm beschriebenen Konzentrationsübungen dienen primär dazu, das Denken zu isolieren und von äußeren wie inneren Störfaktoren zu bereinigen. Dabei verzichtet der Autor auf religiöse Dogmatik und fokussiert sich stattdessen auf die psychotechnische Komponente: Die schrittweise Reduktion der Reize soll es dem Übenden ermöglichen, einen Zustand innerer Klarheit zu erreichen, den Lomer als notwendige Voraussetzung für jede weitere Beschäftigung mit okkulten Phänomenen erachtet.
Willensschulung und Selbstdisziplin
Ein zentraler Baustein der Schulung ist die rigorose Willensbildung. Lomer betrachtet den menschlichen Willen nicht als konstante Größe, sondern als eine trainierbare Fähigkeit. In den entsprechenden Lehrbriefen werden Anweisungen gegeben, wie durch alltägliche Übungen – etwa die bewusste Steuerung von Impulsen oder die regelmäßige Wiederholung mentaler Fixpunkte – eine größere psychische Widerstandskraft aufgebaut werden kann. Diese Ausbildung soll den Menschen in die Lage versetzen, Herr über seine Affekte zu werden, was nach Lomer die Grundvoraussetzung für eine „Geheimwissenschaft“ darstellt, die er als angewandte Seelenkunde begreift.
Verbindung von Psychologie und Okkultismus
In den späteren Abschnitten des Werkes widmet sich Lomer der Anwendung dieser erworbenen Fertigkeiten auf die Deutung außersinnlicher Wahrnehmungen. Er postuliert, dass viele Phänomene, die traditionell dem Bereich der Magie oder des Mystizismus zugeordnet werden, bei genauerer Betrachtung als Funktionen einer erweiterten menschlichen Wahrnehmung zu verstehen sind. Seine systematische Schulung soll das „innere Auge“ schärfen. Hierbei bleibt der Text stets auf den Praktiker ausgerichtet; abstrakte philosophische Herleitungen werden zugunsten von konkreten Handlungsanweisungen zurückgestellt. Lomer versucht hierbei, den Übergang vom bloßen Lesen hin zur aktiven, fast laborähnlichen Erprobung eigener mentaler Kapazitäten zu ebnen.
Zielgruppe und historischer Kontext
Das Werk richtet sich an den ernsthaften Interessenten der okkulten Szene des frühen 20. Jahrhunderts, der eine strukturierte Anleitung statt einer bloßen theoretischen Abhandlung sucht. Die Lehrbriefe spiegeln den Zeitgeist der 1920er Jahre wider, in denen eine starke Tendenz zur Rationalisierung des Okkulten bestand.
Lomer möchte den Leser dazu befähigen, sich durch eigene Anstrengung aus der Abhängigkeit von Lehrern oder okkulten Organisationen zu befreien. Der Inhalt ist als pädagogisches Gerüst zu verstehen, das den Anspruch erhebt, den Anwender durch eine klare, sachliche Didaktik zu einer individuellen, selbstbestimmten „geheimwissenschaftlichen“ Praxis zu führen.