Magie – Buchcover

Magie

Geschichte, Theorie, Praxis

1923
Das Buch stellt eine umfassende theoretische und praktische Abhandlung über magische Prinzipien, die Psychologie des Okkulten und die Methoden der magischen Willensschulung dar.
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Werk und Inhalt

Die Welt als Wille und Selbstbehauptung

Im Jahr 1923 wird in Deutschland ein Buch veröffentlicht, das die erschütterten Gewissheiten des Vorkriegseuropas einer radikalen, subjektiven Tiefenforschung uterzieht. Ernst Schertels Magie: Geschichte, Theorie, Praxis setzt dieser Epoche ein Fanal der geistigen Selbstbehauptung entgegen, das sich bewusst jenseits der etablierten akademischen Psychologie und der volkstümlichen OkkultOkkultismus ist ein Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die sich mit den „verborgenen“ Kräften der Natur und des Geistes befassen. Er umfasst Traditionen wie Magie, Esoterik und Hermetik, die über das rein rational-materialistische Weltbild hinaus nach einem tieferen, meist intuitiven oder symbolischen Verständnis der Realität streben.-Literatur verortet. Das Werk fungiert als eine OntologieOntologie (altgriech. ὄν ón „seiend“ und λόγος lógos „Lehre“) ist die Lehre vom Sein und seinen grundlegenden Strukturen. Sie untersucht, welche Arten von Dingen existieren und wie sie in der Wirklichkeit geordnet sind – von der materiellen Erscheinung bis hin zum metaphysischen Sein. des Willens, in der die Grenze zwischen psychischer Konstitution und metaphysischer Einwirkung nivelliert wird.

Historischer Kontext: Hitlers Lektüre

Ein spätes Aufsehen erregte das Werk durch einen ganz bestimmten Rezipienten: Im Jahr 2003 wurde bekannt, dass Schertel ein signiertes Exemplar seines Buches an Adolf Hitler übersandt hatte. Hitler setzte sich intensiv mit dem Text auseinander und fügte insgesamt 66 Anstreichungen an den Seitenrändern hinzu. Dieses Exemplar wurde später von der John Hay Library der Brown University erworben und die Anmerkungen sowie das Buch ins Englische übersetzt. Die von Hitler markierten Passagen umfassten unter anderem:

  • „Falsche Bilder sind notwendig für die Erkenntnis der Wahrheit.“
  • „Jeder Kampf um Macht ist daher ein Kampf feindlicher Strukturen.“
  • „Wer den dämonischen Samen nicht in sich trägt, wird niemals eine magische Welt erschaffen.“
  • „Der gesamte Materialismus und Rationalismus unserer Zeit schlägt praktisch jedem tieferen Sinn für Realität und Tatsachen ins Gesicht.“
  • „Satan ist der Anfang, Seraph ist das Ende.“

Die Architektur des magischen Aktes

Schertel begreift Magie nicht als bloße Aneinanderreihung von Ritualen, sondern als eine Funktionslehre der menschlichen Psyche. Er verlässt das Feld der religiösen Metaphysik und betritt das Terrain eines psychologischen Funktionalismus. Der Akt der Magie vollzieht sich innerhalb eines Spannungsfeldes, in dem der Wille – losgelöst von konventionellen moralischen oder kausalen Bindungen – als primäre Kraftquelle fungiert. Es ist die systematische Überführung des subjektiven Verlangens in eine objektive Wirksamkeit.

Die Rekonstruktion okkulter Genealogie

Der historische Teil des Werkes dient weniger einer chronologischen Dokumentation, als vielmehr der Etablierung eines Traditionsstranges, der von den antiken Theurgen über die neuplatonischenDie philosophische Strömung des Neuplatonismus versteht die Welt als stufenweisen Ausfluss (Emanation) des höchsten, unendlichen Prinzips, dem „Einen“. Sie formte maßgeblich das metaphysische Denken der Spätantike und bildet eine zentrale Brücke zwischen klassischer Philosophie und esoterischer Weltsicht. Denker bis hin zu den radikalen Denkern der Aufklärung reicht. Schertel inszeniert eine Prozession von Namen: Apollonius von Tyana, Paracelsus, Giordano Bruno und Eliphas Lévi. Diese Ahnenreihe dient als Legitimationsbasis für eine Theorie, welche die menschliche Subjektivität als Dreh- und Angelpunkt der Weltgestaltung begreift.

Der Wille als ontologischeOntologie (altgriech. ὄν ón „seiend“ und λόγος lógos „Lehre“) ist die Lehre vom Sein und seinen grundlegenden Strukturen. Sie untersucht, welche Arten von Dingen existieren und wie sie in der Wirklichkeit geordnet sind – von der materiellen Erscheinung bis hin zum metaphysischen Sein. Konstante

Im Zentrum der theoretischen Ausführungen steht die Willenszentrierung. Schertel postuliert, dass jeder magische Erfolg die vollkommene psychische Integration des Akteurs voraussetzt. Die Trennung in Subjekt und Objekt erscheint hierbei als ein Zustand, der durch Konzentration und die bewusste Steuerung der Vorstellungskraft überwunden werden muss. Die Phantasie wird bei Schertel zur schöpferischen Potenz, die nicht bloß imaginiert, sondern den Stoff der Wirklichkeit umformt.

Die Anatomie der rituellen Praxis

Die Praxis wird als Technik der Selbstkonditionierung beschrieben. Schertel entwirft ein System, in dem Ritus, SymbolDas Symbol ist ein verdichtetes Zeichen, das über seine bloße materielle Erscheinung hinaus auf eine tiefere, transzendente Wirklichkeit verweist. Im hermetischen Kontext ist das Symbol kein willkürliches Abbild, sondern ein „Korrespondenz-Anker“, der die Kraft der bezeichneten Idee in die physische Ebene kanalisiert und so als Brücke zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos fungiert. und Klangmittel als Katalysatoren dienen, um den Geist in einen Zustand gesteigerter Suggestibilität zu versetzen. Dabei entkleidet er das Ritual jeder mystischen Überhöhung. Es ist die mechanische Präzision, die das gewünschte Resultat erzwingt; ein Prozess, der frappierende Parallelen zu den späteren Konzepten der psychologischen Konditionierung aufweist.

Distanz zum kollektiven Mystizismus

Eine markante Eigentümlichkeit des Werkes ist die dezidierte Abkehr von jeglicher spirituellen Schwärmerei. Schertel bleibt ein Kind der kühlen, klinischen Beobachtungsgabe. Während Zeitgenossen den OkkultismusOkkultismus ist ein Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die sich mit den „verborgenen“ Kräften der Natur und des Geistes befassen. Er umfasst Traditionen wie Magie, Esoterik und Hermetik, die über das rein rational-materialistische Weltbild hinaus nach einem tieferen, meist intuitiven oder symbolischen Verständnis der Realität streben. als eskapistische Flucht nutzten, verlangt Schertel nach einer Intellektualisierung der magischen Vorgänge. Die Magie wird bei ihm zu einer Disziplin der Selbstbeherrschung, die den Einzelnen über die Masse erhebt, statt ihn in ein kollektives Heilsversprechen einzubinden.

Die Erotik der Macht

Schertel scheut nicht die Verknüpfung von magischer Wirksamkeit und sexueller Energie. In den Abschnitten, die sich mit der Dynamik von Anziehung und Abstoßung befassen, artikuliert sich eine Philosophie, in der das Begehren die treibende Kraft jeder okkulten Operation bildet. Es ist die Libido, die den Willen erst scharf stellt und aus der indifferenten Materie ein Instrument des Geistes macht. Diese Zuspitzung verleiht dem Werk seine spezifische, untergründige Spannung und hebt es von zeitgenössischen esoterischenEsoterik ist der Sammelbegriff für Lehren, die ein „inneres“, verborgenes Wissen vermitteln, das sich nur dem Eingeweihten erschließt. Sie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Mensch, Kosmos und dem Göttlichen. In dieser Bibliothek steht Esoterik für den ganzheitlichen, kontemplativen Zugang zur Wirklichkeit. Traktaten ab.

Das Erbe der Schertel’schen Methode

Das Werk bleibt in seiner Konsequenz ein Solitär. Es ist ein Versuch, das Irrationale mit den Mitteln des analytischen Geistes zu erfassen und in eine praktikable Form zu gießen. Obgleich das Werk als Inspirationsquelle für unterschiedliche Denker des 20. Jahrhunderts diente, bewahrt es die Autonomie einer in sich geschlossenen Lehre. Schertel liefert keinen Katalog von Rezepten, sondern eine Anleitung zum Aufbau eines souveränen Ichs, das imstande ist, die Welt nach eigenem Maß zu lesen und zu formen.