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Clark Ashton Smith

1893–1961

Wie es der Dichter, Bildhauer und Phantast formulierte:

Er, der einmal die fernen Gärten der Astralwelt geschaut hat, wird auf Erden immer ein Fremder bleiben, gefangen im fahlen Licht der Sterblichkeit.
— Zothique

Biografie und Wirken

Der Bildhauer aus der Hitzewüste

Die Transformation von rohem Speckstein in phantastische Götzenbilder spiegelt das Exil eines Geistes, der die irdische Gegenwart gegen die Unendlichkeit ferner Sternensysteme eintauschte.

Die Hügel von Auburn, Kalifornien, tragen im Sommer die Farbe von verbranntem Ocker. Der Staub legt sich wie eine feine Schicht des Vergessens über die kargen Eichenwälder, in denen die Hitze des Tages flirrt. In dieser Abgeschiedenheit, fernab der intellektuellen Zentren der amerikanischen Ostküste, verbrachte ein Mann fast sein gesamtes Leben in einer selbstgebauten Holzhütte. Seine Hände waren grob von der Arbeit auf den Obstplantagen und in den Goldminen der Sierra Nevada. Doch unter seinen Fingern entstand eine filigrane Metamorphose, die das irdische Gestein in die Chiffren unvordenklicher Welten verwandelte. Es war das Porträt eines Eremiten, der die äußere Enge der Armut duldete, um im Inneren die Grenzen des bekannten Kosmos zu sprengen.

Die Schule der Symbolisten

Die geistige Herkunft lag nicht in der amerikanischen Tradition, sondern in der feinen Destillation des europäischen Fin de Siècle. Ohne akademische Ausbildung, gestützt auf das systematische Studium eines alten Wörterbuchs, eignete sich der junge Autodidakt die französische Sprache an. Die Entdeckung von Charles Baudelaire und dessen Werk Les Fleurs du Mal wirkte wie ein Katalysator. Der Dichter George Sterling, ein Protegé des bekannten Kritikers Ambrose Bierce, erkannte früh das schiere Talent des Jungen aus Auburn und wurde sein literarischer Mentor. Diese Verbindung prägte eine frühe Lyrik, die im Gedichtband The Star-Treader and Other Poems im Jahr 1912 gipfelte und eine kosmische Tragweite besaß, welche die zeitgenössische Kritik aufhorchen ließ.

Das Dreigestirn der Einsamen

Als die wirtschaftliche Not der Weltwirtschaftskrise die Existenz bedrohte, wandte sich der Lyriker der erzählenden Prosa zu. Es begann die produktivste Phase, getragen von einem transatlantischen Netzwerk aus Tinte und Papier. Zusammen mit Howard Phillips Lovecraft und Robert E. Howard bildete er das intellektuelle Zentrum des Magazins Weird Tales. Während Lovecraft den Schrecken der Wissenschaft beschrieb, goss der Einsiedler aus Auburn seine Erzählungen in eine hochtrabende, fast liturgische Prosa. Der Briefwechsel mit den Kollegen diente als Korrektiv und Inspirationsquelle für eine gemeinsame Mythenbildung, in der fiktive Gottheiten wie der schlangenartige Tsathoggua von einem Universum in das nächste wanderten.

Die Geographie der Vergänglichkeit

Das literarische Vermächtnis manifestiert sich in der Schöpfung sterbender Kontinente und versunkener Reiche. In Zyklen wie „Zothique“, dem letzten Kontinent einer sterbenden Erde unter einer matten, roten Sonne, oder „Hyperborea“, einer von Gletschern bedrohten Urwelt, zeigt sich ein zyklisches Geschichtsverständnis. Diese Welten sind geprägt von Dekadenz, Nekromantie und einer tiefen Ironie gegenüber menschlichem Streben. Die Schöpfung des fiktiven Buchs The Book of Eibon reiht sich ein in die Tradition geheimnisvoller Traktate der Weltliteratur. Es war eine literarische Destillation des Motivs der Vergänglichkeit, die das menschliche Dasein als flüchtigen Funken in einer gleichgültigen Unendlichkeit begriff.

Die Rückkehr zur Materie

Nach dem Tod der Eltern und dem Verstummen der engen Brieffreunde versiegte der Strom der Worte in der Mitte der 1930er-Jahre fast vollständig. Das Schreiben wurde abgelöst von der direkten Arbeit am physischen Objekt. Aus weichem Speckstein, den er in den Flussbetten der Umgebung fand, meißelte der Künstler hunderte kleiner Skulpturen. Diese seltsamen Fratzen und grotesken Gestalten besaßen die greifbare Signatur seiner literarischen Phantasie. Später führte ihn die Ehe mit Carol Jones Dorman nach Pacific Grove, wo er als Gärtner arbeitete. Die Hände, die einst die schillerndsten Metaphern der amerikanischen Phantastik geformt hatten, gruben nun in der feuchten Erde der kalifornischen Küste.

Das Erbe im Sternenstaub

Das Ende kam leise in den Spätsommertagen des Jahres 1961 nach einer Reihe von Schlaganfällen. Die Asche des Chronisten wurde gemäß seinem Wunsch in den Hügeln von Auburn verstreut, dort, wo die Hütte seiner Jugend längst einer neuen Straßenführung gewichen war. Was bleibt, ist das Werk eines Mannes, der die Sprache wie ein AlchemistAlchemie (von arab. al-kīmiyāʾ) ist die protowissenschaftliche und hermetische Kunst der Stoffwandlung und Selbsterkenntnis. Sie verbindet Naturphilosophie, Metallurgie und Symbolik mit dem Ziel, die Materie zu läutern (Magnum Opus), den Stein der Weisen zu bereiten und das Unvollkommene zu veredeln. Sie vereint die mikrokosmische Veredelung des Menschen mit der makrokosmischen Offenbarung göttlicher Naturgesetze. nutzte, um die Schlacke des Alltags in kostbare Wortgebilde zu verwandeln. Er war der letzte große Ästhet einer Epoche, der die Kosmologie des Grauens mit der Schönheit des Zerfalls versöhnte und der Nachwelt einen Horizont hinterließ, der weit jenseits der irdischen Sphären liegt.