Der Club Dumas – Buchcover

Der Club Dumas

1993
Originaltitel: „El club Dumas“
„Es gibt Bücher, die gefährlich sind. Nicht wegen dem, was sie enthalten, sondern wegen dem, was sie im Geist des Lesers entfesseln können.“
Die Vorlage für den Film „Die neun Pforten“ – eine Hommage an die Welt der Grimoires.
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„Es gibt Bücher, die gefährlich sind. Nicht wegen dem, was sie enthalten, sondern wegen dem, was sie im Geist des Lesers entfesseln können.“
Die Vorlage für den Film „Die neun Pforten“ – eine Hommage an die Welt der Grimoires.
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Werk und Inhalt

Das gedruckte Labyrinth

Arturo Pérez-Reverte entwirft ein literarisches Vexierspiel, in dem die Grenze zwischen fiktionaler Erzählung und bibliophiler Besessenheit vollkommen zerfließt.

Der Geruch nach altem Papier

Bücher sind keine bloßen Informationsträger, sondern physische Zeugen ihrer eigenen Herkunft. In diesem Werk wird der Einband zum Schutzwall und das Vorsatzpapier zum Zeugen einer geheimen Reise. Lucas Corso, ein Söldner der Bibliophilie, jagt nicht Inhalten nach, sondern Kollationen, Wasserzeichen und der Beschaffenheit von Pergament. Es geht um die Substanz, um das Handwerk des Buchdrucks, wie es seit Gutenberg das Denken ordnet.

Das verbotene Wissen

Zentral für den Verlauf der Handlung ist das fiktive Traktat De Umbrarum Regni Novem Portis, die neun Pforten ins Reich der Schatten. Dieses Werk ist eine Anspielung auf die reale Tradition der GrimoiresGrimoires sind Zauberbücher, die Anleitungen für magische Rituale, Beschwörungen sowie Rezepte enthalten. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort für Grammatik ab. Obwohl sie auf antike Vorbilder zurückgehen, verbreiteten sie sich vor allem vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. und die dunkle Seite der Renaissance-Gelehrsamkeit. Die Holzschnitte im Buch sind keine bloßen Illustrationen, sondern kryptische Anweisungen. Wer sie entziffert, sucht nicht nach Gott, sondern nach einer Begegnung mit dem Widersacher, ganz im Sinne der hermetischenDie Hermetik umreißt einen geistesgeschichtlichen Komplex, der auf den Legenden um Hermes Trismegistos basiert. Sie umfasst alchemistische, astrologische und magische Lehren. Kern ist die Korrespondenz zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos („Wie oben, so auch unten“), die den Menschen als Teil einer göttlichen Weltordnung begreift. Überlieferung.

Die Schatten von Aristoteles

Das Werk steht in einer direkten Ahnenreihe mit Umberto Ecos Der Name der Rose. Während Umberto Eco jedoch das Mittelalter und die Scholastik als Folie nutzt, um über die Wahrheit zu streiten, verlegt Arturo Pérez-Reverte den Schauplatz in die Antiquariate des zwanzigsten Jahrhunderts. Beide Autoren teilen das Misstrauen gegenüber der Eindeutigkeit. Sie wissen um die Gefahr, die von Büchern ausgeht, wenn man sie als absolute Gesetzgeber missversteht.

Der Geist des Feuilletons

Parallel zur dämonologischen Spur verläuft die Suche nach einem Manuskript von Alexandre Dumas dem Älteren. Der Leser lernt das neunzehnte Jahrhundert, die Zeit der Fortsetzungsromane und der literarischen Massenproduktion kennen. Das Konzept der „Nègres“, der Schreibsklaven, die für Alexandre Dumas den Älteren arbeiteten, wird zum Motiv. Es ist die Epoche der Romantik, die den Helden feiert, während die industrielle Fertigung von Geschichten bereits im Hintergrund rattert.

Die Logik der Parallelen

Der Text spiegelt sich ständig selbst. Charaktere treten auf, die aus Die drei Musketiere entlehnt scheinen, ohne es zu wissen. Diese Technik der literarischen Mimikry erinnert an die Theorie der Intertextualität von Julia Kristeva. Nichts existiert ohne Vorbild. Jeder Satz, den wir lesen, ist bereits in einem anderen Buch geschrieben worden. Die Welt wird zu einer Bibliothek, aus der es kein Entkommen gibt, weil jedes Handeln nur ein Zitat ist.

Das Siegel der Inquisition

Die historische Tiefe wird durch den Verweis auf reale Zensurbehörden wie den Index Librorum Prohibitorum verstärkt. Ein Buch zu besitzen, bedeutete oft, sein Leben zu riskieren. Arturo Pérez-Reverte nutzt die Figur des Aristide Torchia, eines fiktiven Druckers aus dem siebzehnten Jahrhundert, der für seine Erzeugnisse auf dem Scheiterhaufen endete. Die Materialität des Buches wird blutiger ernst. Das Papier brennt, aber der Gedanke bleibt als Ruß in den Köpfen der Sammler zurück.

Die Kälte der Sammler

Wahre Bibliophile in diesem Roman lieben keine Menschen, sie lieben nur Erstausgaben. Diese emotionale Askese führt zu einer moralischen Gleichgültigkeit. Ob ein Buch Unheil bringt oder den Teufel beschwört, ist für den Connaisseur zweitrangig, solange die Signatur stimmt und die Ränder unbeschnitten sind. Es ist eine Form der Hybris, die den Geist über die Moral stellt, eine Haltung, die man bei den Dekadenten des Fin de Siècle wiederfindet.

Das Spiel mit der Täuschung

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass jedes Original eine Kopie und jede Kopie eine Fälschung sein kann. Die Wahrheit liegt im Detail einer fehlerhaften Seitenzahl oder eines falsch gesetzten Buchstaben. Das Werk ist eine Warnung vor der Hybris des Wissens. Wer glaubt, die Regeln des Spiels verstanden zu haben, wird oft selbst zum Spielball einer Erzählung, die längst vor seiner Geburt begonnen hat. Die Tinte ist das Blut des Geistes.