Das schöpferische Universum – Buchcover

Das schöpferische Universum

1981
Originaltitel: „A New Science of Life“
„Naturgesetze sind vielleicht nichts anderes als Gewohnheiten, die sich über Äonen gefestigt haben.“
Einführung der morphischen Felder als Gedächtnis der Natur.
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„Naturgesetze sind vielleicht nichts anderes als Gewohnheiten, die sich über Äonen gefestigt haben.“
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Werk und Inhalt

Ein Geflecht aus Gewohnheit

Die Natur folgt keinen starren Gesetzen, sondern entwickelt ein Gedächtnis durch die ständige Wiederholung ihrer eigenen Formen.

Der Keimling im unsichtbaren Strom

Wenn ein Kristall in einer Lösung wächst oder ein Embryo Gestalt annimmt, geschieht dies nach einem Muster, das über die bloße Summe der Materie hinausreicht. Rupert Sheldrake entwirft in Das schöpferische Universum ein Bild der Welt, in dem die Dinge nicht durch blinden Mechanismus, sondern durch Resonanz zueinander finden. Es ist die Abkehr von der Vorstellung einer toten Maschine hin zu einem Organismus, der sich durch Erfahrung selbst stabilisiert.

Das Erbe der morphischen Felder

Zentral für dieses Denken ist der Begriff der Morphogenese, die Entstehung der Form. Sheldrake postuliert die Existenz morphischer Felder, die wie unsichtbare Schablonen wirken. Ein Feld ist kein energetisches Kraftfeld im klassischen Sinne, sondern ein raumzeitliches Muster, das die InformationIn der Moderne wird die „Information“ rein datentechnisch betrachtet. Dem Begriff liegt etymologisch das lateinische informare (Gestalt verleihen) zugrunde. Hermetisch gesehen ist Information der Prozess, durch den der Geist die gestaltlose Prima Materia formt – ein Schöpfungsakt, der in jedem Gedanken und jeder Handlung fortwirkt. früherer Generationen bewahrt. Je öfter eine Form auftritt, desto stärker wird ihre Prägung im Gedächtnis der Natur verankert.

Resonanz im fernen Echo

Die morphische Resonanz ist der Vorgang, durch den die Vergangenheit in die Gegenwart einströmt. Es ist eine Übertragung von Einflüssen über Raum und Zeit hinweg, die nicht auf materiellen Trägern beruht. Ein Verhalten, das eine​Das Eine ist die absolut transzendente, unteilbare Quelle alles Seienden. Im Neuplatonismus ist es die erste Hypostase, die jeder Vielheit vorausgeht als Ursprung aller Emanationen, ohne selbst Teil der manifestierten Welt zu sein. Gruppe von Tieren an einem Ort erlernt, wird für Artgenossen an fernen Orten leichter zugänglich. Diese Form der Vererbung geschieht ohne physischen Kontakt, allein durch die Einstimmung auf das kollektive Feld der Spezies.

Geistesverwandte im Unterholz der Biologie

Sheldrake greift Fäden auf, die bereits von Denkern wie Henri Bergson gesponnen wurden. Bergsons Élan vital, die schöpferische Lebenskraft, findet in der Theorie der Formbildungsursachen eine moderne, wenn auch umstrittene Entsprechung. Auch die Nähe zu C. G. Jung ist offenkundig. Das kollektive Unbewusste und die Archetypen lassen sich als psychologische Varianten jener morphischen Felder begreifen, die das menschliche Verhalten in gewohnte Bahnen lenken.

Das Ende der ewigen Naturgesetze

In diesem Weltbild verlieren Naturgesetze ihre Unveränderlichkeit. Sie werden zu Gewohnheiten. Sheldrake argumentiert, dass sich das Universum nach dem Urknall nicht nach fixen Regeln entfaltet hat, die bereits im Voraus existierten. Vielmehr bildeten sich die Regelmäßigkeiten erst im Prozess der Evolution heraus. Die Witterung der Welt verändert sich mit jeder neuen Erfahrung, die in den Speicher des Ganzen eingeht.

Experimente am Rande der Gewissheit

Die Gelehrsamkeit des Autors zeigt sich in der Forderung nach einer neuen Methodik. Er verlässt das Labor der reinen Abstraktion und blickt auf die Phänomene der Parapsychologie und der Telepathie. Das Wissen um den „Blick im Rücken“ oder die Vorahnungen von Haustieren sind für ihn keine Einbildung, sondern Hinweise auf die Ausdehnung der Felder über die körperliche Grenze hinaus. Es ist eine Suche nach den feinen Verästelungen, die das Individuum mit der Umwelt verknüpfen.

Einspruch gegen das reduktionistische Dogma

Der Essayist erkennt in diesem Werk den Widerstand gegen die Vorherrschaft der Molekularbiologie. Während Zeitgenossen wie Richard Dawkins das Gen als alleinigen Taktgeber betrachten, beharrt Sheldrake auf dem Vorrang der Ganzheit. Die Quantenphysik liefert hierfür den Boden: Wenn Teilchen über weite Distanzen verschränkt bleiben, verliert die Forderung nach lokaler Kausalität ihre absolute Macht. Das Universum wird zu einem Geflecht, in dem alles mit allem korrespondiert.

Die Bibliothek der lebendigen Formen

Man stellt das Buch in ein Regal, in dem auch die Werke von Johann Wolfgang von Goethe stehen. Dessen Metamorphose der Pflanzen suchte bereits nach dem Urtypus, der allen Erscheinungen zugrunde liegt. Sheldrake gibt dieser romantischen Sehnsucht ein wissenschaftliches Gewand. Das schöpferische Universum ist eine Einladung, die Natur nicht als Ansammlung von toter Materie zu sehen, sondern als ein Wesen, das sich erinnert und lernt.