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Mario Praz

1896–1982

Wie es der Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker formulierte:

In der schwarzen Romantik wird der Schmerz zur Wollust und das Grauen zur ästhetischen Offenbarung.

Biografie und Wirken

Staub auf dunklem Mahagoni

Ein Zimmer in Rom, im Palazzo Ricci an der Via Giulia. Das Licht dringt nur spärlich durch die schweren Vorhänge, legt sich auf Empire-Möbel, auf Statuetten aus Wachs und verblasste Miniaturen. Es ist die Atmosphäre einer Enklave, in der die Zeit ihre gewohnte Richtung verloren hat. Hier herrscht die Stille einer privaten Galerie, in der jeder Gegenstand eine geheime Korrespondenz mit dem Geist seines Besitzers führt. Ein Leben, das sich hinter Mauern aus Antiquitäten und Büchern verschanzt, um der Flüchtigkeit der Gegenwart zu entkommen.

Die Signatur des Schmerzes

Das Hauptwerk trägt den Titel Liebe, Tod und Teufel. Es ist eine Vermessung der schwarzen Romantik, eine Inventur der Qualen und der Wollust in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Mario Praz suchte nicht nach der lichten Vernunft, sondern nach dem Schattenspiel der Dekadenz. Er destillierte die Motive der grausamen Frau und des bleichen Jünglings aus den Texten von Swinburne, Baudelaire und Flaubert. Es war eine Arbeit der Schichtung, ein Freilegen jener nervösen Reizbarkeit, die unter der glatten Oberfläche der bürgerlichen Moral pulsierte.

Gefährten im Labyrinth der Zeichen

In den Jahren in Liverpool und später in Rom kreuzten sich die Wege mit Geistern wie T.S. Eliot und Vernon Lee. Besonders zu Eliot bestand eine Verbindung über das Interesse an den metaphysischen Dichtern Englands. Es war ein Austausch über die objektiven Korrelate, jene Dinge, die ein Gefühl erst greifbar machen. Praz teilte mit diesen Zeitgenossen die Vorliebe für das Fragmentarische und die Überzeugung, dass die Kultur ein Echo ist, das in den Ruinen der Vergangenheit seinen Ursprung hat.

Die Ordnung der inneren Räume

Das Buch Haus des Lebens stellt den Versuch dar, die eigene Existenz über die Einrichtung der Wohnung zu erklären. Es ist keine Autobiographie im herkömmlichen Sinne. Praz beschreibt jedes Möbelstück, jedes Gemälde und jede Kuriosität in seiner Wohnung im Palazzo Primoli. Der Mensch tritt hinter die Objekte zurück. Die Anordnung der Dinge wird zum Spiegelbild der Seele. Es ist die Überzeugung, dass das Wesen eines Sammlers in der Wahl seiner Exponate liegt, in der Weise, wie er das Äußere zu einer schützenden Hülle verdichtet.

Das Gift der schönen Form

In der Gelehrsamkeit von Praz gab es keinen Platz für den Fortschrittsglauben. Sein Blick galt der Verfeinerung des Verfalls. Er prägte den Begriff des Agliopsie, einer Art der Wahrnehmung, die das Schöne nur noch im Morbiden und Seltsamen zu finden vermag. Diese Haltung verband ihn mit dem Werk von Gabriele D’Annunzio, dessen ästhetischer Exzess für Praz ein ständiger Bezugspunkt blieb. Es war ein Suchen nach der perfekten Oberfläche, auch wenn darunter der Abgrund der Langeweile drohte.

Der Bannfluch der Blicke

Um die Gestalt des Professors rankte sich in Rom die Legende des Jettatore, des Unglücksbringers. Ein Mann, vor dessen Blick man sich bekreuzigte, der das Unheil unbewusst mit sich führen sollte. Praz trug dieses Stigma mit einer Mischung aus Verachtung und Stolz. Es passte zu seinem literarischen Sujet, zum Diabolischen und zum Unheimlichen, das er so akribisch studierte. Die soziale Isolation, die aus diesem Aberglauben resultierte, vertiefte nur seine Bindung an die Welt der stummen Dinge.

Das Register der Embleme

Seine Studien über die Emblematik der Barockzeit zeugen von der Lust am Entziffern. Praz las die Bilderrätsel der alten Traktate als Chiffren einer untergegangenen Weltsicht. Er sah in den allegorischen Stichen ein Geflecht aus Tugenden und Lastern, das er mit der Geduld eines Restaurators reinigte. Jede Entdeckung in einem Antiquariat war ein Fundstück für das große Mosaik seiner Kulturgeschichte, die er stets als eine Geschichte der visuellen SymboleDas Symbol ist ein verdichtetes Zeichen, das über seine bloße materielle Erscheinung hinaus auf eine tiefere, transzendente Wirklichkeit verweist. Im hermetischen Kontext ist das Symbol kein willkürliches Abbild, sondern ein „Korrespondenz-Anker“, der die Kraft der bezeichneten Idee in die physische Ebene kanalisiert und so als Brücke zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos fungiert. begriff.

Das Verlöschen im Antiquarium

1982 endete die lange Wacht über die Dinge. Mario Praz hinterließ eine Sammlung, die heute als Museum im Palazzo Primoli fortbesteht. Der Blick des Chronisten sieht einen Mann, dessen radikale Suche nach Schönheit ihn in eine fast vollständige Weltabgewandtheit führte. Die äußere Biographie eines Professors für Anglistik war nur die Hülle für einen Geist, der sich in den labyrinthischen Gängen der europäischen Ästhetik verloren hatte. Was bleibt, ist das Zeugnis einer Zeit, in der das Sammeln noch ein Akt des geistigen Überlebens war.