Daemons of Pleasure – Buchcover

Daemons of Pleasure

Selected Writings On Art And Magick

2011
„Der Glaube ist die einzige Realität, aber man muss ihn erst vergessen, um ihn wirken zu lassen.“
Austin Osman Spare entwirft in Daemons of Pleasure eine radikale Kartografie menschlicher Begierde jenseits dogmatischer Systeme.
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„Der Glaube ist die einzige Realität, aber man muss ihn erst vergessen, um ihn wirken zu lassen.“
Austin Osman Spare entwirft in Daemons of Pleasure eine radikale Kartografie menschlicher Begierde jenseits dogmatischer Systeme.
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Werk und Inhalt

Fleisch gewordene Träume in schwarzer Tinte

Diese Texte, The Book Of Pleasure (1913), Notes On Automatic Drawing (1916), The Focus Of Life (1921) und The Anathema Of Zos (1927), sind für das Verständnis von Spares Theorien der Sigillisierung und der automatischen Ekstase unerlässlich. Sie verweisen zudem auf die Grundpfeiler seines Zos Kia Cultus, eines okkultenOkkultismus ist ein Sammelbegriff für Lehren und Praktiken, die sich mit den „verborgenen“ Kräften der Natur und des Geistes befassen. Er umfasst Traditionen wie Magie, Esoterik und Hermetik, die über das rein rational-materialistische Weltbild hinaus nach einem tieferen, meist intuitiven oder symbolischen Verständnis der Realität streben. Systems, das die Entwicklung der ChaosmagieChaosmagie ist ein postmoderner magischer Ansatz, der den Glauben selbst als Werkzeug begreift. Sie bricht die starren Dogmen traditioneller Systeme auf und nutzt eklektisch beliebige Symbole, Glaubenssätze oder Techniken, um durch den Zustand der Gnosis – eine Phase der bewussten Leere oder intensiven Konzentration – die eigene Realität formbar zu machen. maßgeblich beeinflusste. Ebenfalls enthalten ist ein aufschlussreicher Einleitungstext, Time Mirrors, von Genesis P-Orridge.

Spares Linienführung zwingt den Betrachter zur Abkehr vom Abbild hin zum Zustand der unmittelbaren Wahrnehmung.

Das Gesetz der Obsession

In den Seiten von Daemons of Pleasure findet sich keine Anleitung zur spirituellen Erhebung, sondern eine Kartografie der menschlichen Begierde. Austin Osman Spare verlässt hier den Pfad der traditionellen okkulten Dogmatik. Wo seine Zeitgenossen, etwa der im Golden Dawn verwurzelte Aleister Crowley, auf komplexe Zeremonien und ein hierarchisches Universum vertrauten, sucht Spare das Heilige im Trivialen, im Instinktiven und im Verdrängten. Sein System der Zos Kia Cultus verwirft den Gott in der Ferne und erkennt den Körper als das einzige wahre Medium für magische Wirkungskraft.

Der Körper als Bühne

Das Werk entfaltet eine visuelle Sprache, die das Individuum als Gesamtheit von Triebkräften begreift. Hier begegnet uns die Autografie, ein von Spare entwickeltes Verfahren, bei dem durch die zeichnerische Fixierung des Begehrens die Barriere zwischen Wunsch und Erfüllung schmilzt. Es ist jene Spannung, die bereits in den frühen Werken eines Aubrey Beardsley mitschwingt, jedoch befreit von dessen dekorativer Melancholie. Bei Spare wird die Linie zur Waffe, die den Panzer der gesellschaftlichen Konventionen durchbricht, um den rohen Kern des „Ich“ freizulegen.

Zwischen Ekstase und Verfall

Betrachtet man das geistige Ökosystem dieser Zeichnungen, so finden sich Anklänge an den Vitalismus eines Henri Bergson. Die Vorstellung, dass das Leben durch einen stetigen Fluss, einen élan vital, vorangetrieben wird, spiegelt sich in den fluiden, oft grotesken Körperdarstellungen wider. Diese Figuren sind weder schön noch hässlich; sie sind Manifestationen eines Prozesses, der sich der rationalen Bewertung entzieht. Sie erinnern an die Verzerrungen der Fratzen in der gotischen Baukunst, welche die Seele in einem Moment der höchsten Anspannung festhalten.

Die Rückkehr zum Ursprung

Der Ansatz von Spare ist eine radikale Subjektivierung der Welt. Indem er den Fokus auf die Atavismen legt – jene prähistorischen, in der menschlichen Psyche schlummernden Anlagen –, kehrt er zurück zu einer Form der Naturmystik, die weit vor der geordneten Logik der Aufklärung liegt. Es ist ein Zurückblicken, das jedoch keine Nostalgie pflegt, sondern eine Rückbesinnung auf die unbändige Kraft der Schöpfung. Ähnlich wie Friedrich Nietzsche den Menschen als ein Seil zwischen Tier und Übermensch begriff, verortet Spare den Magier zwischen dem instinktiven Trieb und der bewussten Leere.

Das Schweigen der Form

Jede Tuschezeichnung ist ein Destillat dieser Philosophie. Die Abwesenheit von überflüssigem Ornament in seinem späteren Schaffen zeugt von einer bemerkenswerten Linguistik der Leere. In Daemons of Pleasure wird die Stille zum zentralen Gestaltungselement. Der Betrachter wird mit dem konfrontiert, was sich der Sprache entzieht: die ungefilterte Präsenz des Augenblicks. Es ist ein Werk für jene, die in der Zerklüftung der eigenen Seele mehr Wahrheit finden als in jedem Lehrgebäude.